
Ein Festivalgelände ist ein Ort auf Zeit. Wie viel davon nach dem Abbau übrig bleibt, entscheidet sich nicht am Montag, sondern in der Planung – und bei jedem einzelnen Besucher.
Das Müllpfandsystem
Das wirksamste Instrument ist zugleich das älteste: Beim Einlass wird ein Pfand erhoben, das gegen einen gefüllten Müllbeutel zurückgezahlt wird. Auf deutschen Festivals ist dieses System seit den 1990er Jahren im Einsatz und hat sich als das durchgesetzt, was am zuverlässigsten funktioniert. Der Grund ist banal: Es macht die Entsorgung zu einer bewussten Handlung mit einem sichtbaren Gegenwert.
Ergänzt wird es durch Trennstationen für Restmüll, Glas, Plastik, Papier und Biomüll sowie durch Reinigungsteams, die während und nach der Veranstaltung im Einsatz sind.
Mehrweg statt Einweg
Mehrwegbecher mit Pfand sind auf Veranstaltungen inzwischen die Regel. Wichtiger ist der Rest: abbaubares Geschirr an den Ständen, Nachfüllstationen für Wasser statt Flaschenverkauf, und Verpackungsmaterial, das gar nicht erst aufs Gelände kommt. Der Hinweis aus den alten Festivalinfos gilt unverändert: Was nicht mitgebracht wird, muss hinterher niemand entsorgen.
Der größte Posten: die Anreise
Bei den meisten Freiluftfestivals entfällt der Löwenanteil der Emissionen nicht auf Bühne, Licht oder Catering, sondern auf die Anfahrt der Besucher. Entsprechend wirksam sind die Maßnahmen dort:
- Shuttlebusse vom nächstgelegenen Bahnhof – auf vielen Geländen seit Jahrzehnten Standard
- Kombitickets mit dem Nahverkehr
- Mitfahrbörsen, früher über eigene Portale organisiert, heute meist über Apps
- Fahrradstellplätze für Anreisende aus der Region
Wie sich die Anreise praktisch planen lässt, steht im Artikel zu Auto, Bahn und Shuttle.
Zurückgelassene Zelte
Das sichtbarste Problem der letzten Jahre: Camping-Ausrüstung, die am Abreisetag stehen bleibt. Ein Billigzelt kostet weniger als der Aufwand, es trocken einzupacken – entsorgt wird es trotzdem als Sperrmüll, und zwar auf Kosten des Veranstalters. Wirksam dagegen sind Pfandmodelle auf Campingtickets, Sammelstellen für brauchbares Material und schlicht der Hinweis, dass ein Zelt kein Wegwerfartikel ist.
Der einfachste Beitrag: Taschenaschenbecher mitnehmen, Zeltheringe wieder ausgraben, Müll getrennt abgeben und die eigene Ausrüstung mit nach Hause nehmen. Das kostet zwanzig Minuten am Abreisetag.
Energie und Wasser
Auf freiem Feld gibt es keine Infrastruktur – Strom kommt aus Generatoren, Wasser aus Tanks oder temporären Leitungen. Reduziert wird der Verbrauch über effiziente LED-Technik, bedarfsgerechte Generatorsteuerung, teils Hybridspeicher, und über Sanitäranlagen mit sparsamer Spülung. Auch hier gilt: Der Verbrauch skaliert mit der Besucherzahl, nicht mit der Technik.
Was am Ende zählt
Die Philosophie, die viele der älteren Freiluftfestivals formuliert haben, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: außer guter Stimmung nichts auf dem Platz hinterlassen. Das ist kein Marketing, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Gelände im nächsten Jahr wieder zur Verfügung steht. Wie das im Camp konkret aussieht, steht im Camping-Guide, die passende Ausrüstung in der Packliste.
Weiterlesen
- Festival-Camping: Camp aufbauen, Regeln und gute Nachbarschaft – Standort wählen, Camp aufbauen, Sanitäranlagen, Verpflegung und die ungeschriebenen Regeln…
- Anreise zum Festival: Auto, Bahn, Shuttle und Fahrzeugschutz – Wie die Anfahrt zum Festivalgelände planbar wird: Routen und Parken, Bahn plus Shuttlebus,…
- Festival-Ausstattung: die komplette Packliste – Zelt, Schlafsack, Regenkleidung, Gehörschutz: Was auf einem mehrtägigen Open Air wirklich …
- Alle Beiträge aus Festivals