
Ein Festivalwochenende dauert selten nur einen Tag. Zwischen Anreise am Donnerstag und Abbau am Montag liegen drei Nächte im Zelt, Wetterwechsel, Staub, Regen und viel zu wenig Schlaf. Wer die Ausrüstung vorher durchdenkt, verbringt das Wochenende auf der Tanzfläche statt an der Notfallkasse.
Die Grundregel der alten Open-Air-Schule steht schon in den Infotexten der frühen Festivaljahre: so wenig mitnehmen wie möglich, aber die richtigen Dinge. Alles, was wertvoll und gleichzeitig unwichtig ist, bleibt zu Hause. Was auf dem Platz fehlt, lässt sich selten nachkaufen.
Schlafen: Zelt, Unterlage, Schlafsack
Das Zelt ist die einzige Rücklage, wenn das Wetter kippt. Ein Kuppelzelt mit Überzelt und einer Wassersäule ab 3.000 mm hält auch einen längeren Landregen aus. Wichtig ist weniger die Größe als der Aufbau: Ein Zelt, das sich zu zweit in zehn Minuten stellen lässt, ist nach einer langen Anfahrt mehr wert als ein Palast mit drei Apsiden.
- Isomatte oder Luftmatratze: Der Boden zieht auch im August Wärme. Ohne Unterlage wird die zweite Nacht ungemütlich.
- Schlafsack mit Komfortbereich um 8 Grad: Kläre Nächte auf freiem Feld kühlen deutlich stärker ab, als der Tagesverlauf vermuten lässt.
- Heringe zum Nachrüsten: Die beiliegenden Draht-Heringe halten in sandigem Boden schlecht. Stabile Stahlheringe kosten wenig und retten das Zelt bei Wind.
- Zeltteppich oder Plane: Hält Feuchtigkeit und Dreck aus dem Innenraum.
Kleidung: auf alle vier Jahreszeiten an einem Tag
Ein Sommerfestival liefert oft 30 Grad am Nachmittag und einstellige Werte in der Morgendämmerung. Der Zwiebellook ist deshalb kein Modethema, sondern Ausrüstung.
- Mehrere T-Shirts, davon zwei, die trocken bleiben dürfen
- Pullover oder Fleece für die Nacht, dazu eine leichte Jacke
- Regenjacke und wasserdichte Schuhe oder Gummistiefel
- Feste Schuhe für die Tanzfläche, Sandalen für den Weg zur Dusche
- Sonnenhut oder Cap, Sonnenbrille, Sonnencreme mit hohem Faktor
Wer beim Outfit über Funktion hinausdenken will, findet im Festival-Outfit-Guide die Abwägung zwischen Optik, Wetter und Nächten auf der Wiese.
Körper und Gesundheit
Der Punkt, den Erstbesucher am häufigsten unterschätzen: Gehörschutz. Auf einer gut aufgebauten Anlage liegen die Pegel dauerhaft in einem Bereich, der ohne Schutz nach wenigen Stunden Spuren hinterlässt. Filternde Ohrstöpsel dämpfen gleichmäßig, statt nur die Höhen wegzunehmen – der Sound bleibt hörbar, das Innenohr geschont. Für Kinder auf dem Gelände ist ein Kapselgehörschutz Pflicht, keine Option.
- Erste-Hilfe-Set mit Pflastern, Blasenpflaster, Desinfektion
- Persönliche Medikamente in ausreichender Menge, dazu der Medikationsplan
- Mücken- und Zeckenschutz, besonders auf Wiesengeländen in Waldnähe
- Wasserkanister, bereits gefüllt – die Zapfstellen sind am ersten Abend belagert
- Feuchttücher, Handdesinfektion, Toilettenpapier
Trinken vor dem Durst: Der häufigste Grund für einen Besuch beim Sanitätsdienst ist nicht Alkohol, sondern schlichter Flüssigkeitsmangel bei Hitze. Zwei bis drei Liter Wasser pro Tag sind auf einem Sommerfestival kein Richtwert, sondern die Untergrenze.
Strom, Licht und Technik
Auf dem Campingplatz gibt es in der Regel keine Steckdose. Eine Powerbank mit mindestens 20.000 mAh bringt ein Smartphone durch das Wochenende, eine Stirnlampe macht den nächtlichen Weg zum Zelt sicher. Solarleuchten sind leicht und laden tagsuber am Zeltdach. Wer fotografiert, plant Ersatzakkus ein – Details dazu stehen in den Tipps zur Festivalfotografie.
Camp und Orientierung
Ein Zeltplatz mit hunderten identischen Kuppeln sieht um vier Uhr morgens überall gleich aus. Eine Fahne, ein Lampion oder ein auffälliges Tuch am Zelt spart die halbe Nacht Suche. Gleichzeitig macht Deko das Camp zu einem Ort, an dem man sich verabredet – auf den großen Freiluftfestivals gehört das seit jeher zur Kultur.
- Faltbare Campingstühle oder eine Picknickdecke
- Pavillon für Schatten und Regenschutz, gut verankert
- Taschenaschenbecher und Müllbeutel
- Kühltasche mit Kühlakkus, die nachts am kühlsten Punkt lagern
- Klappspaten oder Hammer für die Heringe
Was zu Hause bleibt
Wertsachen, Schmuck, teure Kopfhörer, das zweite Objektiv, Glasflaschen. Glas ist auf fast allen Geländen verboten, weil Scherben in der Wiese ein echtes Verletzungsrisiko sind. Auch Musikanlagen im Camp sind auf vielen Festivals untersagt oder zumindest zeitlich begrenzt – die Regeln stehen in der Hausordnung des jeweiligen Veranstalters und sind kein Vorschlag.
Die Kurzliste zum Abhaken
| Bereich | Unverzichtbar | Angenehm |
|---|---|---|
| Schlafen | Zelt, Isomatte, Schlafsack, Heringe | Zeltteppich, Kopfkissen |
| Kleidung | Regenjacke, warme Schicht, feste Schuhe | Gummistiefel, Wechselschuhe |
| Körper | Gehörschutz, Sonnenschutz, Medikamente | Ohrstöpsel zum Schlafen |
| Technik | Powerbank, Stirnlampe | Solarlampe, Ersatzakkus |
| Camp | Wasserkanister, Müllbeutel | Pavillon, Campingstuhl, Deko |
Wer die Liste einmal durchgeht, spart sich am Freitagabend die Fahrt zum nächsten Supermarkt. Wie das Camp danach aufgebaut wird und welche Regeln auf dem Gelände gelten, steht im Camping-Guide.
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